Mittwoch, 19. August 2009

Alles, was man von R.L. weiss, ist dies:
Er habe an einem warmen, doch regnerischen Apriltag in jenem Jahr dem Licht der Welt entgegengeblickt, als eine Jahrundertkälte herrschte. Seine Mutter habe ihn stolz in ihrem Bauch über den gefrorenen Bodensee getragen. Das werde wohl auch der Grund sein, weshalb er noch heute frostige Temperaturen heissen vorziehe. Und das werde auch der Grund sein, weshalb ein Saunaaufenthalt für ihn eine Tortur sei. So begleite er seine Partnerin nur ausnahmsweise in den Schwitzkasten. Nach 13 Minuten verlasse er fluchtartig den Raum und geniesse die kalte Dusche, die frische Luft. Horrorvorstellungen löse in ihm der Gedanke aus, in einer solchen Kammer gefangen zu sein. Er sehe sich dann verzweifelt an die Türe hämmern, der hochrote Kopf scheine zu zerplatzen, die Augen quellen hervor, die Zunge hänge ihm aus dem Mund, die Temperatur verharre unerbittlich auf 90°C. Er bekomme keine Luft mehr, japse danach, rufe um Hilfe und verende schliesslich jämmerlich an einem Herzinfarkt. Ja, so schauen seine Albträume aus.Verständlich sei deshalb, dass er sich sommers bei höchstens 25°C am wohlsten fühle und es vermeide, an die pralle Sonne zu liegen. Das Paradies auf Erden sei es, bei angenehmen 24°C unter einem Baum ein Buch zu lesen. Und das alles nur, weil es 1962/63 so verdamm kalt gewesen sei.